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Wusel (Ratte)

Glaubenssätze (Gedanken) bestimmen die Realität. Das gilt auch für Tiere, hier eine wahre Geschichte:



Es geht um ein “Igitt-Tier”, eine Ratte. Nach drei Jahren Internat habe ich meinem Sohn ein eigenes Haustier versprochen. Er wünschte sich eine Ratte, da er gerade begann Punker zu werden. Ratten hält man nicht alleine, also sind es mindestens zwei dieser mir noch unbekannten Tierart. Ich stürzte mich also ins Internet und recherchierte, was für eine möglichst artgerechte Haltung zu beachten ist. Es ist wahrlich BEACHTLICH!


Wir bauten ein sehr großes Holzregal zum Rattenkäfig um. Große Grundfläche und sehr hoch, das ist rattengerecht. Als alles eingerichtet war machten wir uns Gedanken, wie wir an Ratten kommen. Gesund sollten sie sein, zahm, weiblich und untereinander verträglich.


Wir beschlossen im Münchner Tierheim nachzufragen. Zoohandlung kam nicht in Frage, privat kannten wir niemanden. Voll Freude und Neugier, was uns erwartet, fuhren wir nach München-Riem und holten uns zwei Rattendamen, die schon gemeinsam einen Käfig bewohnten. Das war prima, denn die beiden kannten sich ja schon gut.


Im Tierheim erfährt man manchmal auch die Schicksale der Tiere:
“Wusel”, Farbratte mit äußerst seltener Färbung, war schon ziemlich alt. Restratte aus unglaublich schlechter Haltung und wurde in einem ebensolchen Zustand abgegeben. Sie war schon einige Monate im Tierheim, wurde zwei mal vermittelt und ebenso oft wieder zurückgebracht.


“Ixi”, eine Huskyratte, wurde in Neuperlach wohlauf zwischen Müllcontainern gefunden, sonst wusste man nichts über sie.


Beide hatten zum Altersunterschied auch total unterschiedliche Charaktere: Wusel stellte sich als Angstbeißer heraus, Ixi war der absolute Menschenfreund. Nun lebten sie einige Zeit im Zimmer meines Sohnes, seine Begeisterung fand durch die notwendige Pflege des Käfigs und der Tiere schnell ein Ende. Aus Tierschutzgründen kam der Käfig zu meiner Tochter ins Zimmer, sie kümmerte sich liebevoll und zuverlässig um die beiden Rattendamen. Ixi liebte es herausgenommen und stundenlang herumgetragen zu werden, da saß sie am liebsten auf der Schulter, damit ihr nichts entgeht. Wusel hatte das nicht so gern, war am liebsten in ihrem Nest und “grantelte” vor sich hin. Wer sie anfassen wollte riskierte ernsthafte Verletzungen. Sie biss nicht, sie stanzte tiefe Löcher in die Haut die sehr schlecht verheilten. Nun, wir ließen sie in Ruhe, deshalb hatten wir sie ja mitgenommen, sie sollte sich von Ihren frustrierenden Erfahrungen durch die Menschen erholen.


Im Januar 2006 begann an Wusels Unterbauch ein Geschwür zu wachsen, das schnell bedenkliche Ausmaße annahm. Ich nannte das Ding “Wusels Wutsack”. Er wuchs zu derartiger Größe heran, dass ihre Hinterbeine seitlich wie Flügel wegstanden. Eine Operation kam auf Grund ihres Alters gar nicht mehr in Frage. Sie hatte keine Schmerzen, war “lediglich” in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.


Ratten sind sehr soziale Tiere und Ixi hat die Situation ihrer Freundin deutlich erfasst: sie wurde ihre “Krankenschwester”. Ixi brachte Wusel besondere Leckereien, bunkerte diese in Wusels Nest, wurde öfter mal ordentlich gebissen weil sie “störte”. Manchmal musste ich sie zwangsenfernen, sozusagen auf Urlaub schicken, sie hat sich komplett aufgeopfert. So ganz unwohl fühlte sich Wusel aber offensichtlich nicht in ihrer Haut, sie verhielt sich sonst ganz normal für eine Ratte, grantig und unauffällig bei ihren alltäglichen Beschäftigungen. Wenn ich sie fragte: “Kann ich dir was gutes tun?” kam stets die Antwort: “Lass mich in Ruhe!”.


Der Käfig wurde umgebaut, Rundumtreppe, Stufen und Geländer, behindertengerecht. Das klappte eine Zeit lang sehr gut, nur wurde der Sack zwischen Wusels Hinterbeinen so schwer, sie konnte sich nur noch durch Ziehen mit den Vorderbeinen bewegen. Es war sehr anstrengend für Wusel, dass ihr Körper ernsthaft schlapp machte und sie bedenklich abmagerte. Anfassen - war nicht. Die Stanzwerkzeuge in ihrem Maul waren nach wie vor bliltzschnell aktiv wenn man in ihre Nähe kam. Sie verkroch sich noch auffälliger als sonst, frass nicht mehr und wollte sich aufgeben. Kein Wunder, denn die Menschen sind ja so schlecht. Wusel hat sich diesen Satz zum Lebensinhalt gemacht und ihn sich selbst stets auf’s Neue bewiesen.


Als ihr Kopf nur noch aussah wie eine Stecknadel war es so weit: sie hat sich wirklich aufgegeben! Dieser Moment war für mich zwar nicht schön anzuschauen aber ich erblickte die Chance: JETZT ZEIGE ICH DIR, DASS ES AUCH ANDERE MENSCHEN GIBT! Mutig aber vorsichtig griff ich zu. Wäre nicht notwenig gewesen, sie war so unendlich schwach. Endlich konnte ich sie abtasten und ich erschrak zutiefst: sie bestand nur noch aus spitzen Knochen mit dünnster Haut und noch dünnerem Fell. Das einzig gewichtige war ihr riesiger Wutsack. Einst hatte sie einen Schwanz so dick wie ein Elefantenrüssel, der war jetzt so dünn wie die Mine eines Kugelschreibers. Ixi hat mir erklärt, dass da die Fettreserven bei Ratten gespeichert werden.


Wusel begab sich in meine Obhut. Ich zeigte ihr, dass Menschen Ratten waschen, füttern, schmusen, kuscheln, stundenlang streicheln und liebevolle Geschichten erzählen können. Ich wusste, dass Wusel viele Glaubensätze hatte:

- die Menschen sind böse

- die Menschen bringen mich immer weg

- die Menschen mögen mich nicht

- ich bin hässlich

- ich bin ungeliebt

- die Menschen tun mir weh



Drei Tage lang löste ich mit ihr zusammen ihre tiefen Verletzungen. Es machte Wusel anfangs großen Stress alles loslassen zu dürfen. Alles war neu für sie. Total neu! ALLES! Ich weiß nicht, wie oft ich sie täglich zum meditieren, waschen und füttern aus dem Käfig nahm. Ich hätte selbst nie gedacht, dass ich - in meinem Bett!!! - mit einer Ratte auf meinem Herzen - stundenlange wunderschöne Meditationen erleben werde! Wir wuchsen zusammen.


Endlich sprach sie mit mir! Sie hatte große Angst, dass wir sie zum Tierarzt bringen und sie einschläfern lassen, oder sie müsste wieder ins Tierheim oder zu jemandem anderen. Es waren ergreifend, unter welchen fürchterlichen Ängsten "dieses Biest" gelitten hatte. Nun konnte ich Wusel Stück für Stück beruhigen und ihr zusichern, dass ich sie niemals und unter keinen Umständen in andere Hände gebe. Sie nicht eingeschläfert wird sondern einfach gehen darf in meiner Begleitung wenn es so weit ist.


Siehe da, Wusel freute sich wenn ich kam! Selbständiges Putzen war ihr nicht mehr überall möglich (sie hatte starken Durchfall durch die enormen Transformationsprozesse). Es wurde zum Ritual: Wusel zärtlich mit einem feuchten Lappen von vorne bis hinten abwischen (Olivenölseife in warmem Wasser), den Wutsack mit Mineralstoffcreme und Schwedenkräutern eincremen, in ein weiches Handtuch wickeln, trockenkuscheln, energiereiche Leckereien naschen, Quellwasser trinken. Mehrmals täglich, insgesamt 3 Wochen lang. Ihre letzten Tage war es besonders intensiv, gemeinsam durchfuhren uns starke Wellen von tiefster Liebe, Frieden und Dankbarkeit. Ihre alten Glaubenssätze waren gelöscht.


Ich wusste, dass Wusel nun gehen kann. Egal was ich mit ihr noch alles “erledigen” durfte, sie war voll Vertrauen und mir liefen täglich mehrmals die Tränen über mein Gesicht vor Dankbarkeit an dieses wunderbare Tier.


Wusel legte wieder an Gewicht zu, ihr Wutsack wurde um gut die Hälfte kleiner, sie konnte wieder LAUFEN - sie war das glücklichste Tier auf Mutter Erde!!!! Wir wuchsen zusammen, immer mehr. Ich versprach ihr mehrmals, dass sie in meinen Armen sterben darf wenn sie das möchte, weil sie immer wieder nachfragte.


Am Mittwoch Abend, den 2. August 2006 habe ich mein Versprechen eingelöst. Ich trug sie in der Abendsonne durch den Garten, wir machten eine Kerze an, ich bat den Engel des Abschieds, Erzengel Michael, ihren Schutzengel, die Elohim der Gnade und noch viele andere, sie sicher zu begleiten. Sie glitt - wahrlich mit erstauntem Gesicht und einem loslassendem leisem “ohhhhhh” - in meinen Armen schmerzfrei und entspannt zurück in ihre Heimat. Nun liegt Wusel in Rosen gebettet unter ihrer geliebten Duftrose, deren Blüten sie so gern genascht hat. Sie hat ihren Lebensplan erfüllt - die Menschen sind GUT!


Schlußbemerkung: Ixi durfte sich von Wusel persönlich verabschieden. Am nächsten Tag waren wir im Tierheim und haben für sie eine neue Freundin gefunden: Gipsy! Rattendame, Husky. Bald kommt auch die Geschichte von Ixi, auch sie hat eine wunderbare Geschichte zu erzählen.
26.3.07 17:18
 


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